Rancho Queimado

 Deutsch oder doch brasilianisch???

Rancho Queimado

Rancho Queimado, vier Wochen sind wir nun hier, liegt in einer Region in der es von deutschen Auswanderern nur so wimmelt. „Viele Menschen sprechen deutsch hier“, das ist es, was wir immer wieder zu hören bekommen. Sicher ist das nicht ganz falsch, es leben viele deutsche Auswanderer hier, nur dies bereits in der 3. oder 4. Generation. Manche davon sprechen tatsächlich eine Sprache mit mehr oder minder vielen deutschen Anteilen. Für uns ist es häufig sehr schwer die Aussprache dann doch zu verstehen. Gerade die 3. oder 4. Generation hat es dann eigentlich endgültig vergessen, das „deutsche“. Ein paar Bröckchen von den Großeltern sind manchmal noch vorhanden, die Meisten bedauern es, aber mehr als ein paar freundliche Grußfloskeln sind oft nicht mehr vorhanden. Wir finden es nicht schlimm, und unserem „brasilianisch“ tut dies nur gut.

Hotel Tuti Crew beim Mittag

Es ist schon ein bisschen irre wie wir hier in Rancho Queimado quasi eingegliedert werden. Auf der Strasse, in Restaurants, beim Bäcker und überall sonst werden wir herzlich begrüsst und gegrüsst. Der Busfahrer erkennt uns und macht Spässe, beim Autofahren wird uns heftig zugewunken. Selbst in Florianopolis wurden wir, beim Einkauf von einem Wasserschlauch, erkannt. „Ihr seid doch gestern am Strand gewesen, oder??“. Hier in Rancho Queimado wundert uns das nicht, aber in Florianopolis wohnen 500.000 Menschen. Auch beim 2.Besuch im Cafe werden wir begrüsst als wären wir schon 100 mal dort gewesen. Irgendwie fallen wir auf, erklären können wir uns das nicht. Unsere Hautfarbe, Bekleidung und Körpergrösse sind in dieser Region absolut normal und nicht auffällig, einzig unsere Sprache passt hier nicht ganz ins Bild. Es geht soweit, das wir schon gefragt werden, ob wir nicht ganz nach Rancho Queimado ziehen möchten. Landschaftlich gerne, weil es hier wirklich sehr schön und definitiv eine Reise wert ist. Auch die Grundstücksangebote von 55000 qm und grösser sind sehr verlockend, aber das steht so in unserer Reisplanung so nicht drin und geht auch ein bisschen weit. Wir bleiben erstmal lieber die „Rancho Queimado Touristen“.

Hotel Tuti

Hotel Tuti, Rancho Queimado

Nicht vergessen dürfen wir unser Hotel. Auf den ersten Blick sicher keine Wellnessoase, auf den zweiten Blick übrigens auch nicht. Trotzdem fühlen wir uns hier sehr wohl und die Abreise von hier wird sicher ein komischer Moment, eher noch ein Abschied. Der Grund hierfür liegt eindeutig bei der Hotelcrew. Es ist eine sehr kleine Crew. Ob nun die Küche mit Bea und Renata, der Tresen mit Alaoh oder die Inhaber Bruno und Paula mit der 4 jährigen Mirella. Alle sind unglaublich lieb und nett, helfen uns wo es Sinn macht.

Besonders allerdings mit Bruno, Paula und Mirella entwickelt sich immer mehr eine schöne kleine Freundschaft. Wir erhalten unfassbar viel Unterstützung bei all unseren kleinen und größeren Problemen, ob sie nun Telefonate mit UPS, dem Autovermieter oder dem Fahrradladen (mit unserem portugiesisch eigentlich nicht möglich) übernehmen oder uns auf alle ihre Wochenendausflüge mitnehmen. Wir dürfen uns im Hotel frei und ungezwungen bewegen, nutzen Küche, Waschmaschine und Werkstatt, sind quasi Teil des Hotels. Als Dank kochen für alle Mittag oder Abendbrot Aber auch nur ansatzweise das zurückgeben was uns hier entgegenschlägt, da haben wir keine Chance. Wir versuchen es, aber wie gesagt, keine Chance. Immerhin sind ein paar nette Familienbilder der 3 entstanden, die nun gerahmt in deren Wohnzimmer hängen.

Bruno der ReiseführerUnd nun wird es jetzt ganz verrückt, nicht nur dass der Transfer von Rancho Queimado nach Florinopolis organisiert ist und gemacht wird sobald der Rahmen angekommen ist, geht es jetzt sogar noch weiter. Um ein bisschen unserer verlorenen Zeit wieder aufzuholen, planen wir, die etwa 850 KM bis Foz do Iguazu, mit dem Leihwagen zu überbrücken. Das spart uns etwa 8 bis 10 Tage auf dem Tandem. Die Strecke soll eigentlich ganz schön sein, aber wir wollen in Patagonien nicht nur den Winter erleben, darum müssen wir ein bisschen Zeit aufholen. Kaum haben Bruno und Paula davon Wind bekommen, kam die Idee auf, Mirellas Oma (Paulas Mutter) endlich mal wieder in Foz do Iguazu zu besuchen. Jetzt wird also ein Anhänger gebraucht und gesucht, sonst passt ja unser ganzes Gepäck nicht mit in den deren Honda. Da Bruno hier das ganze Dorf kennt, ist er sehr zuversichtlich einen passenden Hänger zu finden. Das erste Angebot ist da, nur 80 Reaies (etwa 28€) für die gesamte Fahrt. Wir sind sehr gespannt was das wird. Zur Sicherheit haben wir auch bereits mit einer lokalen Autovermietung gesprochen, auch die haben eine Lösung, nur deutlich teurer eben.

Was haben wir die letzten Wochen gemacht?

Fiat UNO offroadIm Grunde sind unsere Aktivitäten der letzten 3-4 Wochen schnell beschrieben. Neben dem Integrieren ins Dorfleben von Rancho Queimado, haben wir versucht die Zeit einigermaßen sinnvoll zu nutzen. Auch wenn Hotel Tuti zum Wohlfühlen ist, ist die langsame Internetverbindung (wer sich noch an die analogen Verbindungen erinnert, ahnt wie gut unsere Verbindung hier ist) doch etwas nervenaufreibend. So ist z.B. das Buchen eines Mietwagens von hieraus via Internet kaum machbar. Trotzdem hatten wir für einige Tage einen Fiat Uno geliehen. Auf den Offroad-Strecken und Steigungen verlangten wir dem Uno recht viel ab, irgendwie hat der Kleine es gut überstanden. Nur wollte die Autovermietug eine Extra-Reinigungsgebühr, weil die regennassen Pisten doch einige Spuren hinterlassen haben. Nach ein paar lustigen Diskussionen erhielten wir einen Discount über die Reinigung. Was ein bisschen blöd war, genau an unseren Auto-Tagen gab es hier eine Schlechtwetterphase. Das bedeutet kein blauer Himmel, alles hübsch grau in grau und keine netten Bilder von der traumhaften Landschaft.

In Florianopolis besuchten wir einen fantastischen Spot zum kite surfen. Von den 4 Kite-Schulen verlieh tatsächlich eine Material, allerdings zu einem übertrieben hohen Preis. Trotzdem nutzten wir die Chance. Der Spot war riesig groß mit prima Stehbereich und klasse Wind. Kite, Bar und Neo waren tatsächlich von sehr guter Qualität, nur Trapez und Board waren deutlich zu verschlissen. Vor allem das Trapez, bzw. die Scheuerstellen, überzeugten uns, dieses Vergnügen nicht zu wiederholen.

DeutschbrasilienWeiter waren wir mit Paula, Bruno und Mirella in diversen Ausflügen unterwegs. So haben wir Plätze gesehen, die wir ohne Reiseleitung nicht gefunden hätten. Die 3 zeigten uns Wasserfälle, Strände mit leckersten Seafood-Restaurants, lustige Badelandschaften und vieles mehr.

Zum Abschluss durften wir noch mit dem „Deutsch“-Kurs von Rancho Queimado an einen Ausflug zur deutschen „Hochburg“ von Brasilien nach Pomerade und Blumenau teilnehmen, hier wird teilweise wirklich sehr gutes deutsch gesprochen. Skuril sind die Orte trotzdem irgendwie, weil viele Nachbauten aus Deutschland vorhanden sind (wobei ich keine norddeutschen Fischer- oder Kapitänshäuser gesehen habe, der Schwerpunkt liegt eher auf Südeutschland) und die deutsche Kultur irgendwie aufrechterhalten bleiben soll. In großen Teilen ist aber hauptsächlich das Oktoberfest gemeint.

Wie ist der Stand der Dinge?

VW-BulliNachdem SANTOS das Versprechen gehalten und den Rahmen sogar 3 Tage schneller fertig gestellt hatte als versprochen, ging der Rahmen verdammt flott in den Versand. Vielleicht einen Tick zu schnell, denn wie sich bei der Ankunft in Brasilien herausstellte, fehlten einige zwingend notwendige Angaben bei der Lieferung. Um grössere Zollprobleme zu vermeiden musste mehrfach hin und her gefragt werden. Aufgrund der Zeitverschiebung gingen so leider ein paar Tage verloren. Das ist sehr ärgerlich, weil UPS so die versprochene Lieferzeit nicht einhalten konnte und der Rahmen sonst schon bei uns wäre. Hätte, wenn und aber, hilft jetzt nicht. Leider ist heute auch noch ein Feiertag(Ausrufung der brasilianischen Republik) und der Weitertransport steht. Laut UPS soll der Rahmen nun am Montag, irgendwann nachmittags bei unserem Radladen in Florianopolis eintreffen. Sollte das klappen, können wir am Dienstag(18.11.2014) und Mittwoch das Tandem wieder aufbauen und Donnerstag oder Freitag nach Foz do Iguazu aufbrechen. Das scheint aktuell eine realistische Planung zu sein. In Foz do Iguazu müssen wir in Ruhe die Wasserfälle betrachten und wären dann etwa am Montag wieder auf der Strasse mit dem Tandem und zwar in Argentinien.

Wir sind sehr gespannt, aber zuversichtlich.

2 Comments:

  1. Go!
    Klingt nach guten Nachrichten!
    Jetzt scheint es ja hoffentlich bald weiter zu gehen, man leidet ja doch schon arg mit!
    Nur dieses Süddeutschland-Bashing …
    Ok, hier gibt es tatsächlich ein Blumenau (Stadteil von München, auch nicht hübsch – vor allem so gar nicht bunt), ein Oktoberfest (warum wollen die das überall auf der Welt haben?) und Maibäume (die sind allerdings großartig, also Vorsicht!). Wir sind nun mal Bergbewohner und keine Seeleute.
    Aber die Berge kommen ja noch 😉
    Haut rein!
    Wolfgang

    • Wolfgang, kein Bashing der südlichen Regionen, nur Wehmut aufgrund fehlender norddeutscher Traditionen, obwohl hier teilweise plattdeutsch gesprochen wird. Das sei einem Holsteiner Jung doch zugestanden.
      Beste Grüße nach München
      Niko

Comments are closed