Oder Probleme und kleine Katastrophen

2010-07-15 012-2Raufarhöfn ist ein kleiner Ort auf Island. In Raufarhöfn wohnen etwa 200 Menschen, ein Leuchtturm, viele Vögel und 3 Tage lang auch wir. So war das vor ein paar Jahren, während unserer Radtour auf Island. Bevor wir da gelandet sind, hatten wir keine Ahnung das es Raufarhöfn gibt und wollten es eigentlich auch gar nicht wissen. Mein Knie allerdings zwang uns hier für 3 Nächte zu bleiben, einfach weil ich es mir bei einer Höhlenkletterei gestossen und sich ein Bluterguss gebildet hatte. Der Bluterguss verhinderte druckvolles schmerzfreies Treten, und ohne druckvolles Treten wird man auf Island nicht sehr weit kommen. Also Pause. Seit dieser Zeit heissen alle Orte in denen wir ungewollt aufgrund von Pannen, Krankheiten und sonstigen Gründen länger als geplant bleiben, Raufarhöfn.

Gut, und was soll das hier???

SANTOS Rahmen gebrochen

Auch Brasilien hat jetzt ein Raufarhöfn, dies heisst in Wirklichkeit Rancho Queimado, klingt dann auch gleich brasilianischer. Der Effekt ist der selbe, wir sind hier, finden es überraschend nett, wollen aber eigentlich gar nicht hier sein. Hier sind wir jetzt seit 3 Tagen, hatten dadurch Zeit, trotz irre langsamen Internets, den ersten wirklichen Reisebericht zu schreiben. Und verliehen wurde Rancho Queimado die Raufarhöfn-Medaille, aus dem katastrophalen Grund, weil der Rahmen unseres Tandems etwa ein Kilometer vor dem Ortseingang gebrochen ist. Man muss sagen, zum Glück hier und nicht 35 Kilometer vorher oder so. Immerhin gibt es hier ein Hotel, einen Supermarkt, drei Restaurants (die allesamt die gleiche merkwürdige Pizza verkaufen) und drei Banken (zum Geld holen nicht verkehrt).

Was bedeutet ein Rahmenbruch??

Santos Tandemrahmen gebrochen

Für uns ist ein Rahmenbruch der grösste anzunehmende Schaden am Tandem, der Super-GAU quasi. Einfach aus mehreren Gründen:
–> Wir sind absolut unfähig eine Reparatur selbst zu machen. Grundsätzlich können wir fast alles am Tandem selbst irgendwie reparieren, zu den wenigen Ausnahmen gehört der Rahmenbruch.
–> Von einer Sekunde auf die andere sind wir absolut nicht mehr mobil. Es gibt keine Chance das Rad noch zu schieben oder gar alle Sachen zu tragen. Ohne fremde Hilfe von einem Autofahrer sind wir an den Ort des „Bruchs“ gefesselt.
–> Der Zeitaufwand um wieder fahrbereit zu sein wird beträchtlich sein. Aktuell gehen wir von Wochen aus. Einfach weil wir nicht glauben, das der Bruch vernünftig schweissbar sein wird. Somit ein neuer Rahmen gefunden werden muss.
–> Jede Reise mit diesem Gepäck ist ein wahrer Aufwand. In einen Überlandbus kommen wir wahrscheinlich nicht mit. Ein Auto mieten?? Das muss mind. ein kleiner Bus oder PICKUP sein.

Wie ist das passiert?

SANTOS Rahmen gebrochen

Das Fragen wir uns auch. Wir haben schon einige Touren mit dem Tandem unternommen. Die Belastungen die wir dem Tandem zugemutet haben waren in Mexiko, Griechenland, Australien und Kirgistan definitiv höher als in diesen Tagen in Brasilien. Hier sind wir bisher noch nicht mit voller Beladung an Wasser und Lebensmitteln gefahren, in den anderen Ländern schon. Daher kann es eigentlich nur eine „Ermüdung“ des Material sein oder sogar ein Materialfehler der sich erst jetzt auswirkt. Eine bessere Erklärung haben wir bislang nicht.
Wie geht es weiter?
Eine fast noch bessere Frage, leider haben wir noch keine Antwort darauf. Zur Zeit stehen wir in Kontakt mit dem Hersteller (SANTOS-Bikes). Von dem Ausgang dieser „Gespräche“ hängt unserer weiterer Reiseverlauf entscheidend ab. Noch gehen wir davon aus, irgendwie wieder ein fahrbares Tandem in nächster Zeit zu finden, um weiter mit einem Tandem zu reisen. Allerdings nervt die Komunikationsfreudigkeit von SANTOS langsam etwas. Es gibt einfach kaum Antworten auf unsere Anfragen. 1 Mail in 3 Tagen mit der Aussage, „wir hören bald etwas“, finde ich bislang zu wenig.
Gleichzeitig diskutieren wir andere Varianten, so wie: Auto kaufen, Umstieg auf Einzelräder, umsatteln auf Rucksacktourismus usw.

Wie geht es uns?

DSCF4315

Körperlich hatte der Bruch auf uns keine Auswirkungen, weil wir gerade anfahren wollten, es laut „knackte“, und das Tandem sich keinen Millimeter mehr bewegen wollte. Zur Anhebung der Stimmung hat es allerdings nicht beigetragen. Gefühlt kamen wir langsam in den Reiseablauf hinein, hatten unseren Rhythmus gefunden und freuten uns auf die Wasserfälle. Grundsätzlich lagen wir so in der Zeit, wie wir für unsere Reise gen Süden liegen wollten. Und nun fällt dies alles in sich zusammen. Es muss irgendwie umgeplant werden, eben mit diesen Hürden der schlechten Mobilität, den Jahreszeiten und der sich drehenden Erde. Sicher werden wir Wege finden, noch aber sortieren wir die Situation. Ein Abbruch der Reise steht in keinem Fall zu Debatte. Aktuell können wir nur warten auf die Klärung der Rahmenprobleme und WARTEN gehört sicher nicht zu unseren Lieblingsaktivitäten.

Fazit

Der Witz ist, wir hatten in dieser kurzen Zeit der Reise schon so viele kleinere (von anderen Reisen unbekannte) Probleme, dass so ein „Neustart“ vielleicht genau das Richtige ist. Wir werden es sehen und wenn es nicht total schief geht, werdet Ihr es lesen können.

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