Tandem-Optimierung

Tandem-Setup

- DIE SITZPOSITION -

Einschlafende Hände & schmerzender Hintern

Sitzposition - Beinwinkel

Das wohl größte Problem beim Umstieg auf  das Tandem war für uns die Sitzposition. Da wir nun plötzlich zusammen auf einem Rad saßen, und die Einstellungen in Teilen voneinander abhängig sind, d.h. wenn vorne der Sattel weiter runter kommt, geht auch automatisch der Lenker vom Stoker weiter runter. Der Stoker-Lenker ist bei uns schon an höchstmöglicher Stelle der Sattelstütze des Captains befestigt ist. So muss auch die Sitzposition des Stoker wieder angepasst werden. Zudem versuchen wir deutlich ruhiger als auf unseren Einzelrädern zu sitzen, was zu weniger Entspannung durch kurzes Aufstehen führt. Warum machen wir das so? Ein spontanes, unabgesprochenes Aufstehen kann das gesamte vollbeladene Tandem aus dem Gleichgewicht bringen und zu durchaus unangenehmen Situationen im Straßenverkehr führen. Das vor allem bei Bergauffahrten, wenn wir ohnein sehr langsam unterwegs sind.

Bei unserer 5 Wochen-Tour in Australien zeigte sich, dass wir auf langen Tagesetappen unterschiedlichste Probleme bekommen. Vor allem auf den Flachetappen, und davon hat Australien einige zu bieten, bekamen wir einschlafende Hände, schmerzende Hintern usw. Wir haben viel rumprobiert, stellten den Sattel höher, tiefer oder weiter nach vorne bzw. hinten, dasselbe mit dem Lenker. Nichts von all dem half und unsere Ratlosigkeit wuchs. Zurück im Deutschland entschieden wir uns professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen um so das Problem endlich zu lösen. Nach einiger Suche fanden wir Marten von SYNERGY ProTraining im Internet. Bei der ersten Kontaktaufnahme fühlten wir uns sofort verstanden, abgeholt und machten, trotz des nicht ganz geringen Preises,  sofort einen Termin. Marten hatte zwar auch noch kein Tandem-Team eingestellt, beschäftigt sich aber viel mit Bahnradfahrern und Triathleten auf olympischem Niveau, das überzeugte. So fuhren wir nach Berlin und waren unglaublich gespannt was uns dort erwarten würde. Natürlich war unser Tandem mit von der Partie, schließlich war es der Hauptdarsteller. Das Tandem sollte frisch geputzt sein und wir körperbetonte Radbekleidung tragen.

Auf einer Stufe mit Eddy Merckx

Sitzposition Oberkörperwinkel

Zu Beginn der Sitzung hat Marten uns viele Fragen über unsere Touren bezüglich Fahrdauer, Kilometerleistung, Durchschnittsgeschwindigkeit, Fahrradgewicht usw. gestellt. Hier stellte sich schon heraus, Radreisende sind mit Tour-de-France-Fahrern vergleichbar, was eher mit der Dauer auf dem Fahrrad zu tun hat als mit der tatsächlichen Rad- bzw. KM-Leistung (bei uns jedenfalls). Der Gedanke war neu für uns, dennoch ist er nachvollziehbar und irgendwie schmeichelt es uns auch mit den Tourlegenden verglichen oder auf  eine Belastungsstufe gestellt zu werden. Weiter ging es mit der Erfassung unserer körperlichen Beweglichkeit. Wir wurden gebogen, gestretcht und vermessen, auch hier war Marten sicher “flexiblere” Werte gewohnt, ließ sich dies aber nicht anmerken und nahm die ermittelten Werte neutral in seinen Fragebogen auf. Stand bis hierin das Tandem teilnahmslos an die makellose weiße Wand gelehnt, war jetzt der Zeitpunkt gekommen das Rad in die Messvorrichtung zu spannen. Endlich, denn eigentlich waren wir gekommen um das Rad einzustellen und nicht zu erfahren das wir zu schwer, zu langsam und zu wenig beweglich waren. Es passte gerade so, die Länge war das Problem, aber es passte.

Es wird gemessen  

Zuerst war Mieke dran. Sie durfte sich einige Minuten warm fahren, ohne wirklichen Rollwiderstand. Es ging darum sich an die Situation zu gewöhnen, schließlich steht das selten fest am Platz wenn gemütlich pedaliert wird, und natürlich sollte die Kamera vergessen werden die fleißig mitfilmte während Marten und Niko alles gespannt am Computer live verfolgten. Besonders interessierte sich Marten für den Winkel am Knie und der Arme, noch ging aus um die Bestandsaufnahme. Als nächstes kam von Marten die Ankündigung den Widerstand für Mieke maximal zu erhöhen und die Aufforderung stehend mit maximaler Kraft zu fahren. Warum im Stehen? Wir fahren doch fast nur auf dem Sattel sitzend? Das hat sich uns auch erst kurze Zeit später erschlossen. Es scheint wohl so zu sein: Wenn im Stehen pedalliert wird und maximaler Krafteinsatz notwendig ist, nimmt das Knie (scheinbar unweigerlich) den persönlich optimalen Winkel für die beste Kraftübertragung ein. Dieser natürliche Mechanismus wird schamlos ausgenutzt um diesen Winkel zu messen, was wiederum nur mit Kamera und mit Standbild möglich ist. Im Anschluss wurde nun durch Einstellen der Sattelhöhe und der Sattelposition (Neigung + Abstand zum Lenker) die optimale Sattelposition ermittelt. Neben der Sattelposition musste auch die bestmögliche Lenkerposition gefunden werden, denn beides spiet zusammen. Hier bekamen wir leider keine so schön einfache verständliche wie auch logische Ableitung, sondern der Winkel vom Oberkörper zu den Armen war das Ergebnis aus vielen Faktoren, wie unserer Beweglichkeit, der Wunsch wie wir sitzen wollen (sportlich, komfortabel usw), Alter usw. Allerdings scheint es bei unseren Ansprüchen sich jeweils bei etwa 74 Grad zu bewegen. Marten war sehr genau und wollte unbedingt die “perfekten” Werte/Winkel erreichen, so wurde der Sattel immer wieder 1 cm rauf, runter, vor oder zurückgestellt, der Lenker verändert bis endlich alles passte du die geforderten Winkel erreicht waren. Nach jedem Verstellen hieß es wieder rauf aufs Rad, fahren, filmen, messen. Nachdem Miekes Position gefunden war, war Niko dran. Alles nochmal und dabei möglichst nicht Miekes Einstellungen verschlechtern. Das hat auch nochmal ordentlich gedauert. Als auch Nikos Einstellungen gefunden waren, dachten wir es geschafft zu haben. Marten war da allerdings anderer Ansicht, denn jetzt galt es noch die Handwinkel am Lenker, Kniestellungen von vorne gesehen und die Fußpositionen und -Bewegungen zu kontrollieren. So wurde auch der Lenkerwinkel (keine Ahnung wie der wirklich heißt) sauber eingestellt und erklärt wie die Hände auf den Lenker treffen sollten (was wir leider bereits wieder vergessen haben). Außerdem gab es eine Fülle an Ratschlägen wie wir optimaler Radfahren können.

Fazit – Muskelkater statt tauber Hintern

Bei der Terminvereinbarung hieß es wir sollten uns auf einen langen Vormittag Vermessungsarbeit einstellen, es wurde fast ein ganzer Tag daraus, an dem an unserer Sitzposition gefeilt wurde. Marten nahm sich verdammt viel Zeit, mehrfach hatten wir das Gefühl bereits fertig zu sein, da kam Marten mit einem weiteren Punkt der noch überprüft werden sollte. Wir haben extrem viel gelernt und können jetzt viel besser einschätzen, was wir verändern müssen, wenn Probleme auftreten. Ergebnis des Tages mit Marten war eine definitv komplett andere Sitzposition als vorher. Wir sitzen ein gutes Stück tiefer und fast maximal weit vorne. Eine Einstellung die wir so nie gewählt hätten und nach kleineren Umstellungsproblemen, Muskelkater in den Oberschenkeln, sind wir jetzt extrem zufrieden. Riesen Dank, Marten!!! Es hat uns nicht nur sehr viel Spaß gemacht, sondern wir sitzen jetzt deutlich besser und mit erheblich weniger Beschwerden als vorher. Klar ist auch, sollte es jedenfalls, komplett beschwerdefrei zu sein, wenn täglich mehrere Stunden auf einem Stück Leder verbracht werden, das wird nicht funktionieren. Wir sind jetzt aber verdammt nah dran und der Muskelkater ist auch wieder weg. Für uns hat es sich absolut gelohnt und da wir alle Daten mitbekommen haben, können wir jederzeit die Einstellungen wiederherstellen und auch auf andere Räder übertragen.

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